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Qualifikation und Know-how als Grundpfeiler des Erfolgs – ein Interview mit Torsten Klanitz

Seit vielen Jahrzehnten ist der REFA Bundesverband e.V./Group einer der wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um Weiterqualifizierung und Beratung geht. Analysen und Optimierungen von Unternehmensorganisationen gehören zu den Steckenpferden von REFA, die auf ein großes Netzwerk aus Unternehmen und Verbänden zurückgreifen kann.

Mitarbeiter schulen, Herausforderungen meistern

Torsten Klanitz ist Produktmanager bei REFA und Experte für Weiterbildungen im Bereich Lean Management und Industrie 4.0. Herr Klanitz, sagen Sie unseren Lesern doch bitte zunächst kurz etwas zur REFA und deren Entstehungsgeschichte.

Torsten Klanitz: REFA wurde vor über 90 Jahren als Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung gegründet. Das Ziel von REFA war damals - und ist es auch heute noch - Leistungsprozesse in Industrieunternehmen so zu optimieren, dass ein Produkt in möglichst kurzer Zeit und zu möglichst geringen Kosten produziert werden kann. Dafür wurden in Zusammenarbeit mit Fach- und Branchenorganisationen sowie zahlreichen Kooperationspartnern Methoden entwickelt, die die menschliche Arbeitskraft und die verfügbaren Betriebsmittel entsprechend wertschöpfend kombinieren. Das war sozusagen die Keimzelle. Im Laufe der Zeit entstand ein ganzes Methodenrepertoire zur Analyse, Gestaltung und Optimierung der Betriebsorganisation, das bis heute großen Erfolg hat – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Verwaltung. Außerdem ist REFA auch sehr erfolgreich ins Consulting eingestiegen.

Nun haben sich die fertigende Industrie und deren Produktionsprozesse in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten teils massiv verändert, was selbstverständlich Auswirkungen auf die Arbeit der REFA hat. Wie konzipieren Sie Schulungen – vor allem, wenn es um neue und innovative Themen geht, die möglicherweise noch Jahre brauchen, um flächendeckend in der Industrie im Einsatz sein werden?

Torsten Klanitz: Unsere Schulungen und Ausbildungen geben immer Werkzeuge an die Hand, mit denen zunächst einmal Transparenz geschaffen werden kann, um zu prüfen, ob ein Betrieb für den Wandel überhaupt startklar ist. Wir beginnen also immer bei der Grundlage und legen nahe, als Erstes den Ist-Zustand realistisch darzustellen. Diese Basis kann später für alle weiteren Prozesse genutzt werden und die Stellschrauben kann man entsprechend der Schnelligkeit der Veränderung drehen. So bleiben Unternehmer flexibel.

prozess-und-industrieexperte© REFA Bundesverband e.V./Group

Konkretes Beispiel ist hier ja die digitale Transformation, die in der Produktion auch unter dem Schlagwort Industrie 4.0 läuft. Welche Bedeutung hat dieses Zukunftsprojekt aus Ihrer Sicht?

Torsten Klanitz: Die Industrie 4.0 verspricht, Träume wahr werden zu lassen: Endlich kann man ohne Verluste auf individuelle Kundenwünsche eingehen, bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig produzieren, ohne sich von den Tücken der Massenproduktion bremsen lassen zu müssen. Das klingt natürlich zunächst verheißungsvoll. Die Industrie 4.0 hält unaufhaltsam Einzug in Produktion und Management - das ist klar abzusehen. Was jedoch nicht vergessen werden darf: Für Unternehmen bedeutet die Erfüllung dieses Traums eine Menge Vorarbeit, denn mit den technischen Innovationen allein ist es noch nicht getan. Erst muss die Organisation stimmen, dann kann die technische Unterstützung leistungsbeschleunigend wirken. Nur optimal organisierte und steuerbare Unternehmensabläufe ermöglichen vorausschauendes Planen und eine effiziente Wertschöpfung und damit eine nachhaltige Umsetzung von Industrie 4.0. Wir bei REFA empfehlen, unbedingt auf ein stabiles Fundament zu bauen, um später keine Enttäuschungen zu erleben. So war es ja zum Beispiel Anfang der 1990er-Jahre, als viele Unternehmen sich allzu schnell von der CIM-Euphorie (Computer Integrated Manufacturing) anstecken ließen. Nach manchmal leidvollen und teuren Erfahrungen wurde klar, dass allein durch den Einsatz neuester Technik niemals Transparenz im Betrieb und Effizienz in der Organisation zu erreichen ist. Solch eine Entwicklung gilt es zu vermeiden, dann kann Industrie 4.0 eine große Sache werden.

REFA bietet unterschiedliche Seminare zum Thema Industrie 4.0 an – was erwartet die Teilnehmer und welches Vorwissen sollte vorhanden sein?

Torsten Klanitz: Wir zeigen in unseren Seminaren vor allem auf, welche Potenziale durch Industrie 4.0 in den einzelnen Unternehmen erschlossen werden können und welche Voraussetzungen dafür zu schaffen sind. Wichtig ist wie gesagt, dass die Grundlagen vorhanden sind, wenn man neue Wege gehen will, damit die Abläufe von Anfang an reibungslos abgewickelt werden können. So wird man unterwegs nicht durch unzureichende Vorbereitung ausgebremst oder versperrt sich den Weg zum Erfolg. Wir unterstützen Unternehmer mithilfe der REFA-Standards dabei, die Lösungen der Industrie 4.0 effizient und vor allem nachhaltig im Betrieb einführen zu können. Dazu zählt zunächst, dass betriebliche Abläufe systematisch analysiert werden. Wir vermitteln deshalb Methoden zur Datenerhebung hinsichtlich Zeit, Kosten und Qualität. Auf der Basis eines transparenten Ist-Zustands wissen Absolventen dann, wie man die Soll-Abläufe wirkungsvoll gestalten und optimieren kann. Wir haben außerdem eine REFA-Checkliste Industrie 4.0 erarbeitet, die in den Seminaren vorgestellt wird. Ein spezielles Vorwissen wir nicht benötigt.

Neben Industrie 4.0 gibt eine Vielzahl weitere Themen und Seminarangebote in Ihrem Portfolio. Wo sehen Sie Ihr Kerngebiet und welche Entwicklungen erwarten Sie in diesem Bereich?

Torsten Klanitz: Nach wie vor steht die REFA-Grundausbildung hoch im Kurs, wenn es um Industrial Engineering geht. Wer sie in der Tasche hat, punktet, denn sie ist in der Wirtschaft sehr gefragt. In der Grundausbildung erlangt man die methodische Fitness  um Arbeitsplätze und -prozesse zu analysieren, zu gestalten und zu optimieren, was eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung weiterer Methoden im Unternehmen ist. Hier denke ich vor allem an die Lean Methode, die derzeit sehr beliebt ist, um Abläufe kontinuierlich zu verbessern. Zum Thema Lean hat REFA eine ganze Reihe an Seminaren und eine eigene Ausbildung entwickelt. Das ist eines unserer Kerngebiete.
Ein großes Augenmerk richten wir auch auf das Thema Führung, das gerade im Zeitalter der Industrie 4.0 eine große Veränderung erlebt. Führungskräfte von heute müssen Veränderungen aktiv mitgestalten, Strukturen und Prozesse anpassen, Rollen und Verantwortlichkeiten klären, Mitarbeiter entwickeln, eine Basis des Vertrauens schaffen, authentisch sein und die Veränderungen auch (vor-)leben. In Zeiten von flachen Hierarchien und permanenter Veränderung brauchen Mitarbeiter Halt und Orientierung. Das müssen Führungskräfte geben können, und zwar nicht mehr durch den früher üblichen „Command-and-Control“-Stil, sondern durch Kommunikation auf Augenhöhe und Wertschätzung. Unsere Seminare sind diesem Wandel angepasst und vermitteln erprobte Methoden und geben alltagstaugliche Tipps an die Hand.
Wir bieten zudem eine ganz Reihe an Seminaren zu Themen wie Kommunikation, Arbeitstechniken, Betriebswirtschaft und Controlling oder Arbeitsorganisation und Prozessmanagement an. Das Spektrum ist sehr vielfältig geworden. Da Veränderungen wie Industrie 4.0 immer auch Einfluss auf das Management haben, ist der Ausbau des Angebots in diesem Bereich für REFA eine wichtige Ergänzung. Entwicklungen sehen wir vor allem auch im Bereich „Künstliche Intelligenz“, die nicht mehr aufzuhalten ist. Noch nie in der Geschichte haben so viele Spezialisten gleichzeitig an der Weiterentwicklung einzelner Technologien gearbeitet wie heute an der Künstlichen Intelligenz. Entsprechend anspruchsvoll sind die Anforderungen an Strategien und deren Umsetzung für die Zukunft. REFA hat zu diesem Thema bereits eine eigene Seminarreihe entwickelt und sieht hier ein wichtiges Feld, das immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Die Fachkompetenzen, die Abteilungsleiter sowie Produktionsmitarbeiter heutzutage haben müssen, sind eklatant höher und vielfältiger als noch vor einigen Jahren. Wie stellen Unternehmen dauerhaft sicher, dass die eigene Belegschaft immer auf dem Laufenden bleibt und der Betrieb somit konkurrenzfähig ist?

Torsten Klanitz: Immer am Ball bleiben ist in Zeiten des schnellen Wandels wichtiger und gleichzeitig schwieriger denn je. Unternehmer schrecken teilweise vor Weiterbildungen zurück, weil sie einen gewissen Zeitaufwand erfordern. Um tiefgründiges Wissen zu erlernen und schnelle Veränderungen umsetzen zu können, ist jedoch eine Schulung eine nachhaltige Investition, denn hier wird nicht nur aktuelles Wissen vermittelt, sondern es findet auch ein wichtiger Austausch mit anderen Teilnehmern und somit anderen Herausforderungen statt. Wenn es schnell gehen muss, neigt man dazu, nur die Oberfläche anzukratzen, was zu Rückschlägen führen kann. REFA hat deshalb alle Seminare so kompakt wie möglich gestaltet, ohne den Verlust von wichtigen Lerninhalten in Kauf zu nehmen. Wer flexibel und konkurrenzfähig bleiben will, sollte seinen Mitarbeitern deshalb die Chance für Weiterbildung ermöglichen, weil letztendlich alle davon profitieren.

Herr Klanitz, vielen herzlichen Dank für das informative Gespräch und weiterhin alles Gute bei Ihrer alltäglichen Bildungsarbeit.

kompetente-schulungen Pexels.com / Freie Nutzung gewährt

Kompetenzen nutzen, Prozesse optimieren

Sorgen Sie dafür, dass jeder Mitarbeiter die Schulungen erhält, die für den jeweiligen Produktionsbereich entscheidend sind. So bauen Sie Kompetenten in Ihrem Unternehmen auf – egal ob es um die Maschinendatenerfassung, das Qualitätsmanagement, komplexe Manufacturing Execution Systems oder andere Module der digitalen Produktionssteuerung geht. Die IT-Experten der GFOS stehen Ihnen gerne zur Verfügung und entwickeln gemeinsam mit Ihnen die perfekt passende MES-Lösung für Ihr Unternehmen.

 

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